AllgemeinErfahrungsReich

Was du gerade nicht sehen kannst

Und doch bist du seltsam

Ja wirklich. Und es ist in Ordnung, aber soweit reicht dein Stolz noch nicht. Weißt Du was seltsam ist? Seltsam sein heißt, anders zu sein, nicht-einfach- einzuordnen-anders. Es liegt oft an den Anderen, die dein Anderssein bewerten. Wer deine Andersartigkeit vorverurteilt, der hat ein Problem.
Nicht du.
Seltsam-sein heißt nicht, dass man nicht willkommen ist.
Du bist vielleicht sensibler als andere, oder empathischer. Vielleicht auch schüchterner und nicht so extrovertiert, aber freundlich und gutherzig. Doch wenn du lachst, lachst du wie jeder andere Mensch auch. Du hast das Recht, Macken zu haben und Du hast das Recht, nicht wie alle anderen zu sein. Überleg genau, was seltsam an dir ist, und dann überlege genau, was daran schlecht sein soll. Und wenn du da angelangt bist, dann überlege dir noch viel VIEL genauer, wer sagt, dass dein Anderssein schlecht ist und ob derjenige das überhaupt beurteilen kann.
Ich habe mich Jahre lang seltsam gefühlt, weil ich verträumt war – andere nannten es verpeilt, naturbekifft, langsam und vieles mehr. Ich war oft verletzt und habe mich selbst nicht akzeptiert und liebenswert gefühlt. In meinem Kopf hat sich das festgesetzt – eine fiese Sache. Die kann man psychologisch sogar ganz gut erklären. Diese festen, gegen dich gerichteten Gedankenkonzepte zu entlarven hilft, das Negative an deiner Selbstwahrnehmung aufzubrechen und die schönen Dinge an deiner einzigartigen Persönlichkeit zu entdecken. Was du nicht wusstest: Die guten Dinge und die guten Meinungen über dich sind für andere so real, wie deine schlechtes Empfinden es für dich ist. Die guten Dinge sind die ganze Zeit über da, du kannst sie nur noch nicht so wahrnehmen und für real erkennen. Während die negativen Dinge im Rampenlicht deiner Verzweiflung und deiner Traurigkeit stehen, sitzen die guten Wahrnehmungen wie ferne Erinnerungen schüchtern in einer dunklen Ecke Deiner selbst fest – ungehört und ungesehen.

Schemata

Eigentlich Ist ein Schema nur Wissensstruktur. Schemata sind dazu da, um festzulegen, welche Wahrnehmungen aus der uns umgebenden Realität wir wie Weise einordnen, weiterverarbeiten, abspeichern und somit möglichst effektiv unserem Wissen zuordnen. Außerdem strukturieren sie auch, wie man Wissen abruft und anwendet, um für Probleme Lösungen zu suchen.
Es gibt da aber auch negative Wahrnehmungsschemata.
Stell Dir dein Bewusstsein als eine Art Raum vor. Es gibt nur spärliches Licht, welches ein Auffangnetz in der Mitte des Raumes beleuchtet. DAS ist das Schema. Die Decke ist dunkel, die Türen, die Wände und der Boden. Eigentlich scheint da nur das Netz /Schema im Raum zu sein. Es ist sehr präsent und filtert alles, was in den Raum gelangt. Was Du noch nicht weißt: Es  aber es ist eben nur eine Basisstruktur, ein Auffangnetz, dass du selbst im Laufe deines Lebens da irgendwie unbewusst gespannt hast, weil es in einer bestimmten Lebenssituation dem Chaos aus Informationen ein wenig Ordnung geben sollte. Im Moment scheint es aber alles zu beherrschen. Beherrschen ist nicht die Aufgabe dieses Schemas, es ist nicht dazu gedacht, Macht über dich auszuüben.
Nun werden in den Raum, der dein Bewusstsein ist, ganz viele Dinge geworfen, die alle Informationen von Außen  & Aussagen von anderen darstellen. Da sind solche Sachen dabei wie:

1″Ich finde, das hast du toll gemacht! Danke!“ – und
2″Haben Sie sich nicht informiert? Das kann man ja wohl vorab erwarten.“ und
3″Ich hab aber keine Lust ohne Dich wegzugehen, das macht keinen Spaß.“ und
4″Das reicht mir so nicht, das musst Du/müssen Sie näher ausführen.“ und
5″Lust auf Burgerking (um 2 Uhr nachts). Hab Hunger und wir könnten mal wieder ein bisschen philosophieren.“  und
6″Dein Argument versteh ich jetzt nicht, das trägt doch jetzt nicht zur Diskussion bei.“ und
7″Knuddel mich!“ und
8″Da sind Sie nun mal als einziger zu spät.“

Viele Dinge fallen durch das Netz. Dinge, die du einfach gar nicht wahrnehmen kannst, denn das Netz ist so gebaut, dass alles, was seine Struktur bestätigt, daran haften bleibt. Ist die Struktur oder das Konzept „Ich bin seltsam.“ oder „Ich bin voller Fehler und deshalb nicht liebenswert.“ werden die Wahrnehmungen hängen bleiben, die dieses Schema bestätigen. Die guten Wahrnehmungen 1, 3, 5 und 7 fallen durch das Netz. Vergiss an dieser Stelle nicht: Sie sind immer noch da.

2x Positives

1. Außenstehende können dich nicht von deinem Wert überzeugen oder dein Problem mit Vorschlägen lösen, denn in Ihrer Realität haben deine Gefühle keinen Grund und entbehren jeder realen Basis. Sie nehmen selten wahr, dass deine Gefühle für dich und in deiner Lebenssituation real sind. Natürlich würdest Du in einer anderen Situation anders reagieren, aber in dieser bist nunmal gerade nicht und du hast gerade diesen aktuellen Kampf zu bestreiten.  Du bist in Bezug auf deine negative Überzeugung hin betriebsblind, denn sie ist hartnäckig zwischen deiner Umwelt und deiner Wahrnehmung gelagert, ähnlich einer dunklen Brille. Hat man diese auf, kann man das Blau des Himmels nicht so schön empfinden und sehen, wie jene, die keine dunkle Brille tragen. Und die, die ohne dunkle Brille sind, die können sich nicht vorstellen, dass der Himmel für jemanden mit dunkler Brille anders aussieht.
Was aber nicht durchs Gitter fällt, sind die Aussagen deiner Lieben, wenn Sie dir deutlich sagen, wie wichtig Du Ihnen bist.

2. Schemata sind erlernte Strukturen. Dein Schema war vielleicht mal ein doppelter Boden,  aber wichtig ist für dich zu wissen, dass das nichts Angeborenes ist. Netze kann man aufspannen, aber man kann sie auch abbauen. Oft weiß man eben nicht, was mit einem los ist. Finde heraus, was dich deiner Meinung nach von der Welt trennt, warum du das Gefühl hast, du seist allein, nicht liebenswert oder seltsam und anderes. Ein Psychotherapeut kann hier als Berater sehr gut mit Dir Schemata entlarven und auseinander nehmen. Es erfordert viel Übung, gegen diese anzugehen, aber es lohnt sich. Denn denke daran: All die schönen Dinge, die liebevolle Wahrnehmung deiner Person durch andere sind auch Teil der Welt und sind nicht verschwunden.  Sie sind immer noch in deinem Kopf: All die guten und lieben Dinge, die andere an die schätzen.

Was ich nicht wusste

Ich habe das Schema „Ich bin seltsam“ aufgebrochen und bin nicht nur stolz, es entlarvt zu haben, sondern auch stolz, seltsam und anders zu sein. All das Träumerische hat auch gute Seiten:  Ich bin empathisch und empfindsam,  habe dank dieser zarten, empfindlichen und verträumten Natur eine ganz anderen Perspektive und bin dadurch sehr kreativ und fantasievoll. Ich war immer still und nicht extrovertiert, aber heute hilft mir das, erst einmal andere reden zu lassen und mich zurückzulehnen, zu beobachten, einzuschätzen und dann mein Urteil zu fällen.
Wenn man lernt, bestimmte Eigenschaften in all ihren Facetten genauer unter die Lupe zu nehmen, wird man früher oder später feststellen, dass keinem Ding an sich Schlechtes innewohnt.  Es ist immer auch eine Frage der Bewertung – durch uns und durch andere.

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